Kept

Start / Ratgeber

Was du über deinen Dachboden wissen solltest

Auf dem Dachboden landen Dinge, über die niemand mehr entscheiden wollte – und die deshalb zehn Jahre bleiben. Anders als ein Keller ist er kein kühles, gleichmäßiges Lager, sondern ein Ort mit extremen Temperaturen, schrägen Wänden und einer Leiter davor. Das verändert beides: was dort überhaupt hingehört, und wie man festhält, was oben steht.

Nicht jeder Dachboden gehört dir allein

In vielen Mehrfamilienhäusern gibt es einen Gemeinschaftsdachboden, manchmal mit abgeteilten Verschlägen, manchmal nur mit der stillschweigenden Übereinkunft, wer welche Ecke benutzt. Ob und wie viel dort abgestellt werden darf, regeln Hausordnung, Mietvertrag und der Brandschutz – Flucht- und Rettungswege müssen frei bleiben, und in etlichen Häusern ist Lagerung auf dem Dachboden aus genau diesem Grund gar nicht erlaubt.

Was in deinem Haus gilt, sagen dir Vermieter oder Hausverwaltung verbindlich, und die Vorgaben unterscheiden sich je nach Bundesland und Gebäude. Es lohnt sich, das einmal zu klären, bevor man einen Verschlag füllt, den man später unter Zeitdruck räumen muss.

Die drei Sorten, die oben liegen

Erstens: aufgehoben für später. Babysachen für ein zweites Kind, Kleidung in einer anderen Größe, das Kinderbett, die Umzugskartons für den nächsten Umzug. Diese Sachen haben einen Zweck, aber der Zweck hat eine Haltbarkeit – irgendwann ist das zweite Kind aus der Größe heraus.

Zweitens: geerbt und übernommen. Nach einer Wohnungsauflösung landen oft Kartons ungeöffnet oben, weil im Moment des Räumens keine Zeit für Entscheidungen war. Das ist völlig legitim, und es muss auch jetzt nicht entschieden werden. Notiere sie trotzdem, mit dem Namen dazu.

Drittens: nie ausgepackt. Der Karton, der beim vorletzten Umzug zu war und es geblieben ist. Wenn du ihn zwei Umzüge lang nicht vermisst hast, ist das eine brauchbare Information – aber es ist deine Entscheidung, was du daraus machst, und Aufheben ist kein Fehler.

Der Dachboden ist ein Klima, kein Regal

Unter den Ziegeln wird es im Sommer sehr heiß und im Winter kalt, und beim Wechsel schlägt sich Feuchtigkeit nieder. Kartons weichen an den Kanten auf, Klebeband löst sich, Etiketten fallen ab. Wer schon einmal eine Kiste aufgemacht hat, deren Boden beim Anheben aufging, kennt den Effekt.

Manches gehört deshalb schlicht nicht nach oben, und es sind oft die wertvollsten Sachen: Fotoalben und Negative, Dokumente, Schallplatten, Kerzen, alles mit eingelegten Batterien, Elektronik, Musikinstrumente. Textilien ziehen Motten an, und Dachböden sind zuverlässig auch der Ort, an dem irgendwann ein Wespennest oder eine Mausspur auftaucht. Wenn du nur eine Sache notierst, dann die, die oben steht, obwohl sie unten stehen sollte.

Klappleiter, Dachschräge, Spitzboden

Der praktische Unterschied zum Keller ist der Aufwand. Erst die Klappe, dann die Leiter, dann gebückt unter der Schräge entlang, mit einer Taschenlampe zwischen den Zähnen. Man geht nicht eben mal hoch, sondern man plant es.

Genau deshalb ersetzt eine Liste hier tatsächlich etwas. Nummeriere die Kartons mit einem dicken Stift und führe eine Zeile pro Nummer – „7: Weihnachtsdeko“, „12: Studienunterlagen“, „15: Sachen von Oma“. Drei überflüssige Aufstiege im Jahr weniger sind mehr wert als jede perfekte Kategorisierung.

Auszug, Kaution und der Nachmieter

Spätestens beim Umzug rechnet sich alles neu. Die Wohnung muss zum Termin geräumt sein, und dazu gehören Keller und Dachboden – daran hängt in der Praxis auch die Kaution. Wer erst am letzten Abend die Leiter hochsteigt, entscheidet nicht mehr, sondern trägt alles in einem Rutsch zum Container.

Ein Nachmittag mit Taschenlampe und Stift, lange vorher, macht daraus etwas anderes. Du gehst hoch, öffnest jeden Karton so weit, dass du hineinsiehst, schreibst eine Nummer drauf, machst ein Foto und schließt ihn wieder. Nichts muss dabei heruntergetragen werden.

Wenn es gut läuft, ist der Dachboden nicht leer. Es stehen weiterhin Kisten dort, ein alter Koffer und zwei Stühle, die niemand mehr braucht. Der Unterschied ist, dass du weißt, was drin ist, dass die Fotoalben inzwischen unten im Trockenen liegen, und dass keine Kiste mehr oben steht, von der niemand mehr sagen kann, wem sie gehört.