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Was im Keller steht – und was davon zählt

Im Keller lohnt sich kein vollständiges Verzeichnis. Was sich lohnt, ist eine kurze Liste der Dinge, die dir Ärger machen können: alles mit Datum drauf, alles, was Feuchtigkeit nicht verzeiht, alles, was eigentlich jemand anderem gehört, und alles, was du schon zweimal gekauft hast, weil du unten nicht mehr nachgesehen hast. Der Rest darf ruhig ein Haufen bleiben.

Warum der Keller sich anders verhält als der Rest der Wohnung

Jeder andere Raum korrigiert sich von selbst. Die Küche siehst du täglich, den Kleiderschrank machst du jeden Morgen auf, und was im Flur zu lange steht, fällt irgendwann jemandem auf. Der Keller funktioniert genau andersherum: Du gehst runter, machst das Licht an, holst die Kiste mit dem Weihnachtsschmuck und gehst wieder hoch. Der Blick über den restlichen Bestand findet nie statt.

Dazu kommt die Bauart. In vielen Mehrfamilienhäusern ist das Kellerabteil ein Lattenverschlag, in dem man Kartons sieht, aber keinen Inhalt. Und der Raum ist kühl, oft feucht, manchmal steht dort auch noch der Anschluss für die Waschmaschine. Die typischen Kellerprobleme entstehen deshalb nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil dieser Raum sich seinem Besitzer nie ganz zeigt.

Vier Gruppen, bei denen sich Wissen wirklich auszahlt

Nicht alles da unten ist gleich wichtig. Diese vier Gruppen sind die, bei denen fehlendes Wissen tatsächlich etwas kostet – Geld, Zeit oder eine unangenehme Überraschung.

Alles, was ein Datum hat

Getränkekisten, Konserven, Eingemachtes, angebrochene Farbeimer, Klebstoff, Silikonkartuschen, Grillanzünder, die Ersatzbatterien für die Rauchmelder. Winterreifen altern auch dann, wenn sie nur im Regal liegen. Das ist keine Ordnungsfrage, sondern eine Frage von Verlässlichkeit: Man merkt erst, dass etwas nicht mehr taugt, wenn man es braucht.

Alles, was Feuchtigkeit übelnimmt

Fotoalben, Schallplatten, Bücher, Schulhefte, Lederjacken, Matratzen, alte Elektrogeräte, Unterlagen aus Papier. Wenn du weißt, dass die Fotokartons hinten links auf der Palette stehen, kannst du nach einem nassen Sommer gezielt nachsehen – statt gar nicht nachzusehen.

Alles, was nicht dir gehört

Die Umzugskartons deiner Schwester, das Werkzeug vom Nachbarn, drei Kisten aus dem Haushalt der Großeltern, das halbe Kinderzimmer der längst ausgezogenen Tochter. Das ist die Gruppe, die am längsten steht und über die am wenigsten geredet wird – und die einzige, bei der du gar nicht allein entscheiden kannst.

Alles, was du zum zweiten Mal kaufst

Verlängerungskabel, Paketband, Zeltheringe, Blumenerde, Spanngurte, noch ein Satz Inbusschlüssel. Doppelkäufe sind selten teuer. Aber sie sind das ehrlichste Signal dafür, dass der Keller im Kopf nicht mehr vorhanden ist.

Was du getrost nicht wissen musst

Es muss nicht jede Schraube erfasst sein, und es ist niemandem geholfen, wenn du weißt, wie viele Einmachgläser genau dort stehen. Eine Kiste darf schlicht „Wohnzimmer, Umzug 2019“ heißen. Wenn du sie in fünf Jahren nicht aufgemacht hast, hat sich die Frage von selbst beantwortet, und du kannst dann immer noch entscheiden.

Wie eine Notiz aussieht, die in zwei Jahren noch stimmt

Grobkörnig statt fein. Ort, grober Inhalt, und die eine Sache, die man von außen nicht sieht: „Regal rechts, drittes Fach: Camping – darin auch der Gaskocher und die vollen Kartuschen.“ Dazu das Jahr. Alles, was feiner ist, stimmt nach dem nächsten Umräumen ohnehin nicht mehr.

Ein Foto vom offenen Regal ist oft schneller als jeder geschriebene Satz und erstaunlich haltbar. Was zählt, ist nicht die Form, sondern dass es überhaupt irgendwo steht – und zwar nicht im Keller selbst.

Keller, Dachboden und Abstellkammer sind drei verschiedene Probleme

Der Keller ist kühl und manchmal feucht: Dort leidet, was aus Papier, Textil oder Leder ist. Der Dachboden wird im Sommer sehr heiß und im Winter sehr kalt, und weil man schlechter hinkommt, landet oben, was man nie wieder holt – genau deshalb sollte dort nichts liegen, was im Ernstfall gebraucht wird. Die Abstellkammer liegt mitten in der Wohnung und ist deshalb das schnellste Zwischenlager von allen; sie füllt sich in Wochen, nicht in Jahren.

Spätestens beim Umzug wird der Keller teuer

Der Keller ist der Raum, den fast alle beim Umzug unterschätzen. Bei der Übergabe muss das Abteil leer und besenrein sein, und plötzlich hängen an dem Haufen echte Fristen: Ein Sperrmülltermin braucht in vielen Kommunen Vorlauf, der Wertstoffhof hat Öffnungszeiten, und für manches braucht man einen Anhänger und jemanden, der mitträgt. Wenn du ungefähr weißt, was unten steht, planst du das drei Wochen vorher statt am letzten Wochenende.

Woran du merkst, dass es reicht

Es läuft gut, wenn der Keller dich nicht mehr überrascht. Wenn jemand fragt, ob ihr noch eine Luftmatratze habt, weißt du die Antwort, ohne runterzugehen. Wenn du im November den Weihnachtsschmuck holst, brauchst du fünf Minuten und keine halbe Stunde. Und wenn nach einem Starkregen etwas nachzusehen ist, weißt du, wo du zuerst hinschaust.

Das ist alles. Ein aufgeräumter Keller ist kein realistisches Ziel – die meisten Keller sehen ihr Leben lang nach Keller aus, und das ist völlig in Ordnung. Ein Keller, der dich nicht überrascht, ist dagegen gut erreichbar.