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Vor dem Umzug ausmisten

Ein Umzug ist der einzige Moment, in dem du jeden einzelnen Gegenstand deiner Wohnung in die Hand nimmst. Er ist auch der einzige Moment, in dem alles einen Preis hat: Umzugsunternehmen rechnen nach Kubikmetern, und was du selbst trägst, bezahlst du in Treppenstufen. Vor dem Umzug auszumisten ist deshalb keine Frage von Ordnungsliebe, sondern von Kalender, Kubikmetern und Rücken.

Es fängt mit der Kündigungsfrist an

Sobald die Kündigung raus ist, steht ein Datum fest, und alles andere hängt daran. Wie lang die Frist in deinem Fall ist und was im Vertrag dazu steht, sagt dir nur dein Mietvertrag beziehungsweise deine Vermieterin – da unterscheiden sich die Verträge, und aus dem Bauch heraus zu rechnen ist der falsche Weg.

Wichtiger als die genaue Zahl ist, was daran hängt. Die Wohnung muss zum Übergabetermin besenrein sein, und zwar vollständig: Keller, Dachbodenabteil, Garage, Fahrradkeller, Briefkasten. Genau diese Nebenräume sind es, die am Übergabetag Ärger machen, weil dort seit Jahren Dinge stehen, an die niemand mehr gedacht hat.

Und daran hängt die Kaution. Ein nicht geräumtes Kellerabteil, entsorgte Einbauten, Löcher in der Wand: Was davon in deinem Fall gilt, steht im Vertrag und wird bei der Übergabe besprochen. Der praktische Punkt ist schlicht, dass ein voller Keller am letzten Abend nicht mehr zu lösen ist.

Der Nachmieter ist eine Chance, kein Problem

In vielen Wohnungen gibt es Dinge, die du nur schwer loswirst und die der Nachmieter gern übernimmt: die Einbauküche, die Lampen, Regale, die exakt in eine Nische passen, Rollos, ein Hochbett im Kinderzimmer. Was davon möglich ist, hängt an der Wohnung und an der Absprache mit Vermieterin und Nachmieter – aber die Frage überhaupt zu stellen, kostet nichts.

Der Vorteil ist doppelt. Die Sachen müssen nicht abgebaut, transportiert und entsorgt werden, und der Nachmieter spart sich einen Kauf. Das funktioniert am besten früh, solange noch Zeit für ein Gespräch ist, und deutlich schlechter drei Tage vor der Übergabe.

Wenn es keinen Nachmieter gibt oder er nichts will, ist das eine klare Information: Diese Sachen gehören auf die Liste der Dinge, die einen Weg brauchen. Und Wege brauchen Termine.

Kubikmeter statt Kartons

Ein Angebot vom Umzugsunternehmen entsteht über eine Volumenschätzung. Jemand geht durch die Wohnung, schätzt die Kubikmeter, und der Preis folgt daraus. Nicht das Gewicht entscheidet und nicht die Zahl der Gegenstände, sondern der Platz im Wagen.

Das ist ein ungewohnt nüchternes Kriterium, und es nimmt viel Druck raus. Du musst nicht entscheiden, ob eine Sache es verdient hat, in deinem Leben zu bleiben. Du entscheidest, ob sie es wert ist, Platz im Wagen zu belegen, getragen und oben wieder ausgepackt zu werden. Ein Schrank, der halb leer ist, kostet dasselbe wie ein voller.

Geh einmal ohne Werkzeug durch die Wohnung und schau nur auf die großen Posten: das durchgesessene Sofa, der Schreibtisch, den niemand benutzt, die Matratze aus der Studienzeit, das Regal aus Pressspan, das den letzten Umzug nur knapp überstanden hat. Drei Entscheidungen über Möbel bewegen mehr Kubikmeter als drei Wochenenden in Schubladen.

Sperrmüll braucht Vorlauf, nicht Entschlossenheit

Hier scheitern die meisten Umzüge im Kleinen. Sperrmüll stellst du in den meisten Kommunen nicht einfach an die Straße – er wird angemeldet, in der Regel online bei der Stadt- oder Gemeindeverwaltung, und dann bekommst du einen Termin. Wie lang die Wartezeit ist, hängt vom Ort und von der Jahreszeit ab, und in Umzugsmonaten ist sie länger als sonst.

Der Wertstoffhof nimmt vieles direkt an, hat aber Öffnungszeiten, manchmal eine Mengenbegrenzung pro Anlieferung, und liegt selten um die Ecke. Sondermüll, Farbreste, Elektrogeräte und Batterien haben jeweils eigene Wege. Was genau bei dir gilt, steht auf der Website deiner Kommune, und das nachzuschlagen dauert weniger lang, als einmal umsonst hinzufahren.

Der praktische Ablauf ist also umgekehrt zum Gefühl: Erst schauen, wann die Wege überhaupt offen sind, dann aussortieren. Sonst steht der Sperrmüllhaufen im Flur und der Termin liegt nach dem Auszug.

Keller und Dachboden zuerst

Der Reflex geht in die Küchenschubladen, weil dort in einer Stunde etwas sichtbar wird. Der Ertrag liegt aber woanders. In vielen Altbauten sind Keller und Dachboden die eigentlichen Lager: Kartons vom vorletzten Umzug, Sportsachen aus einer anderen Lebensphase, Farbeimer, ein kaputter Koffer, der als Ersatzteillager gedacht war.

Diese Sachen haben einen praktischen Vorteil: Sie haben den Zeittest schon bestanden. Was jahrelang niemand geöffnet hat, hat die Antwort im Grunde selbst gegeben. Aufmachen lohnt trotzdem, aber vor allem, um sicherzugehen, dass keine Papiere und keine Fotos darin liegen. Wie lange du welche Unterlagen aufheben musst, ist nicht überall gleich – solche Kartons stellst du beiseite und klärst sie in Ruhe mit den zuständigen Stellen, statt sie im Umzugsstress zu entscheiden.

Und die hohen Räume im Altbau täuschen: Was oben auf dem Schrank liegt, gerät aus dem Blick und zählt trotzdem beim Kubikmeter mit.

Wohin es geht, und wann Selfstorage sinnvoll ist

Was sauber und vollständig ist, findet Abnehmer. Kleinanzeigen funktioniert gut für Sperriges und Lokales, besonders mit dem Zusatz, bis wann abgeholt werden muss. Sozialkaufhäuser, DRK, Caritas und Diakonie nehmen Möbel meist nur nach Absprache und in gutem Zustand; Kleidung geht über die Kleiderkammer oder den Altkleidercontainer, alte Handtücher und Decken nimmt manches Tierheim. Angebrochene Medikamente aus dem Bad gehören in die Apotheke und nicht in einen Karton.

Selfstorage ist die Lösung, die sich am Ende von selbst anbietet, wenn die Zeit knapp wird. Zwischen zwei Wohnungen, bei Umbauten oder wenn ein Ortswechsel noch unsicher ist, löst ein Lagerraum ein echtes Problem. Weniger gut ist er als Ersatz für eine Entscheidung, denn er wird jeden Monat abgebucht und was hineingeht, kommt selten von allein wieder heraus. Wenn du einen mietest, schreib auf die Kartons, was drin ist, und notier dir ein Datum, an dem du die Frage neu stellst.

Und wenn am Umzugstag nicht alles sortiert ist: Das ist völlig normal. Du bist umgezogen, das ist die eigentliche Leistung. Die übrigen Kartons stellen dieselbe Frage später noch einmal, dann in einer Wohnung, in der du schon weißt, wo alles hingehört.