Was ins Inventar eines Lagerraums gehört
Ein Lagerraum ist der einzige Stauraum in deinem Leben, der jeden Monat eine Rechnung schickt. Das macht ein Inventar hier unvermeidlich und gleichzeitig unangenehm: Sobald aufgeschrieben ist, was drin steht, siehst du auch, wofür du bezahlst. Es geht nicht darum, dich zur Kündigung zu überreden – für manche Situationen ist Selfstorage genau richtig –, sondern darum, dass die Frage überhaupt gestellt werden kann.
Warum man überhaupt einen Lagerraum mietet
Fast nie, weil man zu viel besitzt. Meistens, weil ein Zeitraum überbrückt werden muss: zwischen zwei Wohnungen, während einer Sanierung, für ein Jahr im Ausland, nach einer Trennung, wenn eine Wohnung aufgelöst wird und niemand in vier Wochen entscheiden kann, was mit den Sachen der Eltern passiert.
Dazu kommt der bauliche Grund. Ein Kellerabteil reicht für Fahrräder und Winterreifen, nicht für den Hausstand einer halben Wohnung. In vielen Altbauten ist der Dachboden längst zu Wohnraum ausgebaut, und das Abteil im Keller ist ein Verschlag mit Lattenrost, in dem nichts Feuchtigkeitsempfindliches gut aufgehoben ist.
Beides erklärt, warum Lagerräume unter Zeitdruck gefüllt werden. Die Kartons entstehen an einem Wochenende, von mehreren Leuten gleichzeitig gepackt, beschriftet mit „Verschiedenes“, wenn überhaupt. Deshalb weiß später niemand, was drin ist – nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil es unter diesen Bedingungen gar nicht anders gehen konnte.
Der Mietvertrag gehört ins Inventar
Die meisten Anbieter rechnen monatlich ab, nach Quadratmetern oder Kubikmetern, und die Miete läuft weiter, bis gekündigt wird. Welche Frist dabei gilt und zu welchem Termin, steht in deinem Vertrag; das ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich und lohnt sich einmal nachzulesen, bevor du den Räumungstag planst.
Ebenso wichtig und noch häufiger übersehen: der Versicherungsschutz. Ob und in welchem Umfang deine Hausratversicherung Sachen außerhalb der Wohnung abdeckt, hängt von deinen Bedingungen ab, und viele Anbieter verlangen ohnehin einen eigenen Nachweis. Diese Frage beantwortet dir deine Versicherung, nicht ein Forum.
Notiere beides zusammen mit dem Inventar an derselben Stelle: monatliche Kosten, Kündigungsfrist, was versichert ist. Diese drei Zeilen entscheiden später mehr als die Kartonliste.
Beschriften heißt: für den Räumungstag beschriften
In dem Moment, in dem du einen Karton zuklebst, weißt du, was drin ist. Die Person, die es wirklich braucht, kommt in zwei Jahren, an einem Samstag, mit einem stundenweise gemieteten Transporter. Das bist du – nur ohne die Erinnerung von heute.
Nummeriere die Kartons und führe die Liste woanders als auf den Kartons. Vor Ort stapeln sie sich dreifach, die Beschriftung zeigt zur Wand, und das Licht im Gang geht nach zwei Minuten aus. Halte außerdem fest, was schwer ist, was zerbrechlich ist und was keine Feuchtigkeit verträgt, denn danach richtet sich die Reihenfolge beim Ein- und Ausladen.
Ein paar Fotos von der Tür aus, bevor du abschließt, ersetzen eine halbe Seite Beschreibung. Sie zeigen das tatsächliche Volumen, was hinten steht und was du zu notieren vergessen hast.
Die wichtigste Angabe ist nicht der Inhalt
Man denkt, ein Inventar sei dafür da, einen Gegenstand wiederzufinden. Gesucht wird aber fast immer etwas anderes: warum eine Sache dort steht und seit wann. Beides steht auf keinem Karton und lässt sich später nicht rekonstruieren.
Schreib deshalb zu jedem Posten den Grund und das Datum: „Wohnung von Papa, mit meinem Bruder durchgehen“, „Winterzeug während der Sanierung“, „Werkstatt, soll verkauft werden“. Ein Grund, der sich erledigt hat, fällt beim Lesen sofort auf – und das ist die einzige Angabe, mit der sich die Frage nach der Miete überhaupt beantworten lässt.
Diese Frage lautet dann konkret: Was kostet dieser Posten in einem Jahr, und was würde es kosten, ihn im Bedarfsfall neu zu besorgen? Bei Beistellmöbeln und Kisten mit zusammengewürfeltem Geschirr ist die Antwort eindeutig. Bei Fotos, Briefen und den Sachen eines verstorbenen Menschen stellt sich die Frage gar nicht, und niemand muss sie sich stellen. Wichtig ist nur, für beides nicht dieselbe Miete zu zahlen, ohne den Unterschied je benannt zu haben.
Der Räumungstag
Gekündigt ist schnell; das Problem ist der Abtransport. Ein Besuch vorab, eine halbe Stunde, ohne etwas herauszutragen, nur um zu sehen und die Liste zu ergänzen, macht den eigentlichen Tag deutlich kürzer. Kläre dabei auch die praktischen Dinge: Zugangszeiten, Zugangscode, ob es Wagen oder einen Lastenaufzug gibt und ob man die reservieren muss.
Lege die Ziele fest, bevor du lädst, sonst steht am Abend alles in deinem Flur und der Lagerraum ist einfach umgezogen. Was noch gut ist, geht zu Kleinanzeigen oder in ein Sozialkaufhaus, zu DRK oder Caritas – dort am besten vorher anrufen, Möbel werden fast überall nur nach Absprache genommen. Der Rest gehört zum Wertstoffhof, der Öffnungszeiten hat und meist am Stadtrand liegt. Und Sperrmüll wird in den meisten Kommunen angemeldet, oft mit Vorlauf; wie und mit welcher Wartezeit, steht auf der Website deiner Kommune.
Wenn das steht, ist der Lagerraum wieder das, was er sein sollte: ein Werkzeug für einen bestimmten Zeitraum, mit einem absehbaren Ende – und nicht ein zusätzliches Zimmer, das du auswärts mietest, ohne noch zu wissen, was darin steht.