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Was tun mit der Kramschublade

Klebeband, drei Batterien unbekannten Zustands, ein Schraubendreher, Schlüssel ohne dazugehörige Tür, die Anleitung vom Backofen und ein einzelner Mantelknopf: Die Kramschublade ist der einzige Ort in der Wohnung, an dem niemand Ordnung erwartet. Das ist auch völlig in Ordnung. Lästig wird sie erst an dem Tag, an dem sie sich nicht mehr öffnen lässt, weil sich innen ein Kugelschreiber querstellt.

Warum es diese Schublade überhaupt gibt

Ein bewohnter Haushalt bringt ununterbrochen Dinge hervor, die keinen Platz haben: zu klein für einen Schrank, zu nützlich für den Müll, ohne erkennbare Kategorie. Ohne Kramschublade verschwinden sie nicht — sie legen sich auf die Arbeitsplatte, auf den Esstisch, auf die Kommode im Flur.

Insofern erfüllt sie eine Aufgabe, und zwar gut. Ein einziger unsortierter Ort ist deutlich angenehmer als sechs kleine Haufen in Sichtweite. Das Ziel kann also nicht sein, sie abzuschaffen, sondern nur, dass man wieder hineinsehen kann.

Inventur auf dem Küchentisch

Kipp die Schublade in einem Rutsch auf den Tisch und schau danach einmal in den leeren Kasten. Da liegen zuverlässig Krümel, eine Büroklammer und zwei Münzen. Einmal auswischen — damit fühlt sich die Hälfte schon erledigt an.

Dann entscheide nicht Stück für Stück, sondern bilde Haufen nach Art: was schreibt, was klebt, was schneidet, was mit Strom zu tun hat, was von einem Möbelstück übrig ist, was Papier ist, und was gar keine Identität mehr hat. Die Haufen zeigen die Dubletten von selbst — vier Scheren, sieben Kugelschreiber, von denen zwei schreiben — und Dubletten klären sich ohne inneren Kampf.

Rechne mit zwanzig Minuten. Wenn du vorher unterbrochen wirst, ist nichts verloren: Haufen bleiben Haufen und werden nicht von allein wieder zur Schublade.

Drei Fälle mit eigenen Regeln

Batterien gehören nicht in den Restmüll. Sammelboxen stehen in vielen Geschäften, außerdem nimmt der Wertstoffhof sie an; was bei dir genau gilt, steht auf der Seite deiner Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Prüf zwei Stück in einem kleinen Gerät und gib den Rest ab, statt einen Vorrat zu behalten, über den niemand etwas weiß.

Kabel und Netzteile sind der zweite Fall. Steck die unbekannten ein einziges Mal an. Was zu keinem Gerät im Haushalt passt, kann als Elektrokleingerät zum Wertstoffhof. Ein Ersatzladekabel ist vernünftig, acht sind es nicht.

Der dritte Fall sind herrenlose Schlüssel, und sie sind der zäheste, weil ein Schlüssel immer wichtig aussieht. Geh sie einzeln durch und frag dich, zu welcher Tür er gehört. Was seit zwei Umzügen keine Tür mehr hat, schließt auch künftig nichts auf. Bei Haus-, Keller- oder Briefkastenschlüsseln fragst du besser einmal beim Hausmeister oder bei der Verwaltung nach, als sie auf Verdacht jahrelang zu behalten.

Was da eigentlich gar nicht hingehört

Ein großer Teil des Gedrängels stammt aus Dingen, die längst eine Adresse haben und nur nie dorthin zurückgefunden haben. Schrauben und Dübel gehören zum Werkzeug, Anleitungen in den Ordner mit den Unterlagen zur Wohnung, Geburtstagskerzen zum Geschirr, Ersatzknöpfe zum Nähzeug.

Ein paar Sachen gehören ganz woanders hin. Tabletten oder Salbenreste haben in einer Küchenschublade nichts verloren, sondern gehen zurück in die Apotheke, nach deren Auskunft. Wichtige Papiere — Garantiebelege, etwas vom Vermieter, etwas von der Versicherung — verschwinden zwischen Gummibändern nur, bis man sie braucht; sie gehören zu den übrigen Unterlagen.

Fächer wirken besser als Vorsätze

Räum nicht alles zurück. Hinein gehört, was du im Vorbeigehen brauchst, mehrmals im Monat: etwas zum Schreiben, etwas zum Schneiden, etwas zum Kleben, eine Taschenlampe, ein Maßband, ein paar Gummis.

Und dann teile den Kasten auf. Drei, vier Schubladeneinsätze, kleine Kästchen oder einfach saubere Blechdosen halten die Dinge dort, wo du sie hingelegt hast. Ohne Fächer rutscht beim Öffnen alles nach hinten, und genau das macht eine Kramschublade unlesbar. Das wirkt deutlich zuverlässiger als der Vorsatz, in Zukunft sorgfältiger zu sein.

Eine zweite Kramschublade ist erlaubt

Wenn in der Küche wirklich alles zusammenläuft, ist die Schublade nicht zu unordentlich, sondern zu klein für das, was sie auffangen soll. Dann hilft eine zweite Ablage an einer zweiten Stelle: eine Kiste im Flur für alles, was das Haus wieder verlassen soll, ein Fach im Regal für Technikkram.

Voll wird sie ohnehin wieder. Eine bewohnte Wohnung erzeugt fortlaufend heimatlose Dinge, und eine dauerhaft leere Kramschublade wäre sogar ein schlechtes Zeichen — sie hieße, dass sich der Kram jetzt sichtbar auf den Flächen ablegt. Der Unterschied nach einer Inventur ist nur, dass das Zurücksetzen fünf Minuten dauert statt eines halben Vormittags.