Alte Kabel, die du nicht mehr zuordnen kannst
Die Kabelkiste ist kein Zeichen von Unordnung, sondern ein Archiv. Jedes Gerät bringt sein Kabel mit, und Geräte gehen früher als ihre Kabel: Das Handy ist verkauft, der Drucker ersetzt, der Router zurück beim Anbieter, die Digitalkamera liegt auf dem Dachboden. Übrig bleibt ein Knäuel, von dem niemand mehr weiß, wozu es gehört. Die gute Nachricht ist, dass du nicht jedes Kabel identifizieren musst, um es zu entscheiden.
Warum sich Kabel überhaupt so ansammeln
Ein Kabel ist klein, es riecht nicht, es kostet nichts im Unterhalt und es trägt ein vages Versprechen: Man weiß ja nie. Das ist genau das Profil eines Gegenstands, bei dem nie jemand eine Entscheidung trifft.
Dazu kommt eine schiefe Risikorechnung. Ein Kabel wegzuwerfen, das man später gebraucht hätte, ist eine kleine, sehr gut vorstellbare Katastrophe. Fünfzig überflüssige Kabel aufzubewahren kostet in jedem einzelnen Moment nichts. Also bleibt die Kiste, und sie wächst, bis jemand sie ausleert.
Fang bei den Geräten an, nicht bei den Kabeln
Die übliche Vorgehensweise ist, ein Kabel in die Hand zu nehmen und zu überlegen, wozu es gehört haben könnte. Das dauert lange und führt fast immer zu „behalte ich lieber“. Andersherum geht es schneller.
Geh einmal durch die Wohnung und schreib auf, welche Geräte es tatsächlich noch gibt und welchen Anschluss sie jeweils brauchen: Handy, Kopfhörer, Laptop, Monitor, Drucker, Lautsprecher, Konsole, Kamera, Werkzeugakku, Fahrradlicht. Diese Liste ist kurz – kürzer, als die Kiste vermuten lässt. Danach ist die Frage nicht mehr „was ist das?“, sondern „passt das auf etwas aus meiner Liste?“. Ein Nein ist damit eine belastbare Antwort und nicht bloß Unwissen.
Nimm dir die Liste mit zur Kiste und leg alles, was zu einem Gerät auf der Liste gehört, direkt beiseite. Was dann noch da ist, gehört zu Geräten, die es bei dir nicht mehr gibt.
Was du am Stecker erkennst
Kabel unterscheidet man nicht am Kabel, sondern an den beiden Enden, und es sind erstaunlich wenige Formen, die man auseinanderhalten muss: der flache Rechteckstecker, der kleinere ovale, der beidseitig passt, der kleine Trapezstecker älterer Handys und Lesegeräte, der runde Stecker alter Kameras, der breite Bildschirmstecker, der Klinkenstecker fürs Audio und die alten Monitorstecker mit Rändelschrauben.
Manchmal steht winzig etwas auf dem Stecker oder auf der Ummantelung. Das sagt dir nicht immer, zu welchem Gerät es gehörte, reicht aber, um zu erkennen, ob es das Format überhaupt noch gibt. Und Kabel mit sichtbarem Schaden – aufgescheuerte Ummantelung, verbogener Stecker, Knick direkt hinter dem Steckergehäuse – werden gar nicht erst sortiert, sondern kommen weg.
Netzteile sind der schwierigste Teil
Ein schwarzer Klotz ohne zugehöriges Gerät ist der unangenehmste Fund in der Kiste. Auf dem Gehäuse stehen zwar Ausgangsspannung und Stromstärke, aber diese Angaben helfen nur, wenn du weißt, was du damit versorgen willst. Ein fremdes Netzteil zum Ausprobieren an ein Gerät zu stecken, ist keine gute Idee: Dieser Versuch kostet im schlechten Fall das Gerät.
Praktisch heißt das: Ein Netzteil, bei dem du heute nicht weißt, wozu es gehört, wirst du auch in zwei Jahren nicht zuordnen können. Handyladegeräte mit üblichem Anschluss sind die Ausnahme – die sind weiter brauchbar, aber zwei oder drei reichen, und ein neueres Mehrfachladegerät ersetzt oft eine ganze Schublade.
Verschenken, bevor du entsorgst – und wohin der Rest gehört
Für einen Teil der Kabel gibt es eine bessere Adresse als den Wertstoffhof. Ladekabel gängiger Formate, Netzwerkkabel, Bildschirmkabel und Verlängerungen werden auf Kleinanzeigen regelmäßig verschenkt und tatsächlich abgeholt, oft am selben Tag. Ein Aushang im Hausflur oder eine Nachricht in der Nachbarschaftsgruppe funktioniert ebenso.
Auch Repair-Cafés, offene Werkstätten und Schul- oder Jugendtechnikgruppen nehmen brauchbare Kabel manchmal gern. Frag vorher kurz nach, statt einen Karton vor der Tür abzustellen – ungefragte Kabelkisten sind für solche Initiativen eher Arbeit als Geschenk.
Alles Übrige gehört in die Elektroaltgeräte-Sammlung. Kabel, Ladegeräte und Netzteile sind Elektrokleingeräte. Sie gehören nicht in den Restmüll und auch nicht in den Gelben Sack, wo sie die Sortierung stören. Richtig sind der Wertstoffhof deiner Kommune oder eine Sammelbox im Handel: Elektromärkte und viele größere Supermärkte und Drogerien haben eine im Eingangsbereich, und für kleine Mengen ist das der bequemere Weg, weil er auf einer Strecke liegt, die du ohnehin gehst.
Wenn du zum Wertstoffhof fährst, lohnt vorher ein Blick auf die Öffnungszeiten und die Annahmebedingungen auf der Website deiner Kommune; das ist regional unterschiedlich geregelt. Und Akkus und Batterien, die in Geräten stecken, gehören in die entsprechende Sammlung und nicht mit ins Kabelknäuel.
Was bleibt, und wie viel
Was übrig bleibt, passt fast immer in eine Schuhkarton-große Kiste, und eine Kiste ist besser als eine Schublade: In eine Schublade legt man etwas hinein, in eine Kiste räumt man es ein. Ein Kabel pro Anwendung, ein Reservekabel, jedes einzeln mit einem Klettband gebunden, und ein Aufkleber auf allem, was nicht selbsterklärend ist.
Wenn du dir irgendwo notierst, was drin liegt, dann in drei Zeilen und nicht als Tabelle. Der Zweck ist nicht die Vollständigkeit, sondern dass du im Elektromarkt nicht zum zweiten Mal dasselbe Kabel kaufst.
Und wenn zwei rätselhafte Stecker in der Kiste bleiben, weil du dich mit dem Wegwerfen nicht wohlfühlst: Lass sie drin. Eine geordnete Kiste mit zwei Unbekannten ist ein gelöstes Problem. Eine Schublade, die beim Öffnen klemmt, ist keines.