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Geschenke, mit denen du nichts anfangen kannst

Ein Geschenk, das du nicht brauchst, verpflichtet dich nicht, es zu behalten. Was du behältst, ist die Beziehung – und die hängt nicht an der Salatschleuder. In der Praxis gibt es vier Wege, die alle vertretbar sind: benutzen, bewusst behalten, weitergeben oder entsorgen. Schwierig ist nur der fünfte, den die meisten wählen: es jahrelang im Schrank stehen lassen und jedes Mal ein schlechtes Gefühl dabei haben.

Warum ein Geschenk schwerer wiegt als eine gekaufte Sache

Bei einem Gegenstand, den du selbst gekauft hast, geht es nur um dich. Bei einem Geschenk steht jemand daneben: mit dem Aufwand, den er hatte, mit der Vorstellung, die er von dir hat, und manchmal mit einer Frage beim nächsten Besuch. Deshalb greift bei Geschenken keiner der üblichen Aussortier-Gedanken. Die Frage „benutze ich das?“ ist längst beantwortet, und trotzdem steht es noch da.

Es hilft, das einmal offen auszusprechen: Du wirfst nicht die Zuneigung weg, sondern einen Gegenstand, der die Zuneigung eine Zeit lang transportiert hat. Die Post ist angekommen. Das Paket muss nicht bleiben.

Der Denkfehler, der alles blockiert

Er lautet ungefähr so: Wenn ich das weggebe, war die Geste nichts wert. Tatsächlich ist der Wert einer Geste beim Schenken entstanden und nicht in den Jahren danach. Niemand hat dir die Vase geschenkt, damit du sie verwahrst; sie war gedacht als etwas Schönes für dich.

Der zweite Teil des Denkfehlers ist die Angst vor der Nachfrage. Sie kommt sehr viel seltener, als man befürchtet. Menschen erinnern sich bemerkenswert schlecht daran, was sie verschenkt haben.

Vier Wege, die alle in Ordnung sind

Benutzen, auch wenn es nicht dein Geschmack ist – manche Sachen wachsen einem mit der Zeit an. Bewusst behalten, weil die Person regelmäßig zu Besuch kommt und sich freut, das Bild an der Wand zu sehen; das ist eine gültige Entscheidung, solange du sie triffst und nicht bloß erleidest. Weitergeben an jemanden, der es wirklich brauchen kann. Oder entsorgen, wenn es kaputt, angebrochen oder schlicht unbrauchbar ist.

Was in keine dieser vier Kategorien fällt, ist das Ding in der hinteren Schrankreihe, das dich zweimal im Jahr kurz ärgert. Das ist kein Kompromiss, sondern ein aufgeschobener Entschluss.

Welcher der vier Wege es wird, hängt weniger vom Gegenstand ab als davon, wie oft du die schenkende Person siehst und wie sichtbar die Sache in deiner Wohnung wäre. Ein Bild von der Schwiegermutter im Flur ist eine andere Frage als ein Duschgel-Set im Badschrank.

Umtauschen und zurückgeben

Im Laden vor Ort ist der Umtausch einwandfreier Ware üblicherweise eine Sache der Kulanz: Viele Geschäfte machen es, besonders um Weihnachten herum, und oft auch ohne Kassenbon, wenn ein Umtauschbeleg dabei war – verlassen kann man sich aber nicht darauf. Bei Bestellungen im Internet gelten andere Regeln, und Vertragspartner ist dort die schenkende Person, nicht du. Was im Einzelfall möglich ist, sagt dir der Laden oder der Anbieter, und einmal nachfragen geht schneller, als es zu raten.

Weiterverschenken – mit einer einzigen Regel

Weitergeben ist legitim, und fast alle machen es. Die einzige Regel, die sich lohnt: nicht im selben Kreis. Der Kaffeebecher von der Kollegin geht nicht an eine andere Kollegin. Und wenn du weitergibst, dann ehrlich – „das habe ich geschenkt bekommen und benutze es nicht, kannst du es brauchen?“ ist eine völlig normale Frage unter Erwachsenen.

Falls doch jemand nachfragt, reicht meistens ein einziger Satz. Du musst nichts erfinden und dich nicht rechtfertigen. „Ich habe es weitergegeben, weil ich es nicht benutzt habe“ klingt beim Aussprechen härter, als es beim Gegenüber ankommt.

Erbstücke sind ein anderes Kapitel

Bei Sachen aus einem Nachlass gelten diese Überlegungen nur eingeschränkt. Da geht es nicht um Höflichkeit, sondern um Trauer, und Trauer hat kein Tempo, das sich planen lässt. Es ist völlig in Ordnung, eine Kiste zwei Jahre stehen zu lassen und erst dann hineinzusehen.

Wenn du irgendwann so weit bist, hilft eine kleine Zahl mehr als eine Regel: Von den zwölf Tassen bleiben die zwei, die tatsächlich benutzt werden. Ein Foto von den anderen zehn kostet nichts und nimmt der Entscheidung viel von ihrer Endgültigkeit.

Und es hilft, diese Aufgabe nicht allein zu tragen. Geschwister erinnern sich an andere Dinge, und was für dich nur ein Gegenstand ist, kann für jemand anderen der Gegenstand sein. Ein Anruf vorher erspart später oft ein längeres Gespräch.

Wenn es gut läuft

Es läuft gut, wenn du beim Öffnen eines Schranks nicht mehr an Personen denkst, denen du etwas schuldig zu sein glaubst. Die Sachen, die dann noch dort stehen, stehen da, weil du sie magst oder weil du dich bewusst für sie entschieden hast. Man sieht ihnen den Unterschied an.